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05.04.2017, Gelsenkirchen

Erstes Lernnetzwerktreffen mit den neuen Kommunen

Unter dem Motto "Das Lernnetzwerk wächst (zusammen)" fand am 3. April 2017 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen das erste gemeinsame Lernnetzwerktreffen der nun insgesamt 40 neuen und alten Kommunen der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" statt. Im Lernnetzwerk tauschen sich die teilnehmenden Kommunen miteinander aus, um voneinander zu lernen und gemeinsame Lösungen für ihre Präventionsarbeit zu finden.

"Routinen verändern und über Ressortgrenzen hinausdenken"

Familienstaatssekretär Bernd Neuendorf begrüßte die 22 neuen Kommunen der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" im Lernnetzwerk. "Ich freue mich, dass sie den Weg in die 'Kein Kind zurücklassen!'-Familie gefunden haben. Sie haben sich entschlossen, Routinen zu verändern und über Ressortgrenzen hinauszudenken", erklärte der Staatssekretär gegenüber den Vertreterinnen und Vertretern der neuen Kommunen. Nur so könne die Arbeit an einer wirksamen Präventionskette gelingen.

Neuendorf sprach die Leistungen des Lernnetzwerks an, das den Raum für gegenseitigen Austausch schaffe: "Das Lernnetzwerk, also der fachliche Austausch zwischen den Kommunen, trägt großen Anteil am Erfolg von 'Kein Kind zurücklassen!'. Ich freue mich daher sehr, dass uns die ehemaligen Modellkommunen in den kommenden zwei Jahren als Vertiefungskommunen erhalten bleiben. Denn so können die neuen 22 Kommunen von Ihrem großen Erfahrungswissen über gute Präventionsarbeit profitieren. Umgekehrt können aber sicherlich auch die 'alten Hasen' von den 'Neuen' noch etwas dazu lernen."

Der Familienstaatssekretär unterstrich die Bedeutung der Beteiligung der kommunalen Spitzen an der Präventionsarbeit. Er freue sich, dass nicht nur alle Auftaktgespräche, sondern auch die bisher gelaufenen Planungsworkshops mit den kommunalen Spitzen stattgefunden haben: "Prävention muss Chefsache sein. Prävention braucht den Rückenwind von oben."

In den Planungsworkshop kommen Entscheiderinnen und Entscheider der kommunalen Präventionslandschaft zusammen. Das sind verwaltungsinterne und -externe Akteure aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Soziales und Jugendhilfe sowie weitere Partnerinnen und Partner, die für den Auf- oder Ausbau der kommunalen Präventionskette wichtig sind. Gemeinsam gilt es, die ersten Eckpunkte für ein Präventionsleitbild zu formulieren und strategische Ziele in den Blick zu nehmen.

"Lebenswelten von Kindern lassen sich nicht in Linienorganisationen denken."

Christoph Gilles von der Koordinationsstelle Kinderarmut im Landschaftsverband Rheinland berichtete beim Lernnetzwerktreffen in Gelsenkirchen über die enge Kooperation zwischen dem LVR-Programm und "Kein Kind zurücklassen!". Viele der neuen Kommunen sind auch am LVR-Programm gegen Kinderarmut beteiligt. Gilles unterstrich die Gemeinsamkeiten der beiden Arbeitsbündnisse. Er sprach sich für die gemeinsame Verantwortung der Netzwerkpartner aus: "Lebenswelten von Kindern lassen sich nicht in Linienorganisationen denken. Parallelstrukturen gilt es zu vermeiden und in der Parallelität die Gemeinsamkeiten zu suchen." Das LVR-Programm gegen Kinderarmut und die Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!" verstehen sich als Partner im Aufbau von Präventionsketten.

 "Die Anliegen der Kinder in Erfahrung bringen"

In die inhaltliche Arbeit startete das Lernnetzwerk mit einem Beitrag von Prof. Dr. Doris Bühler-Niederberger von der Bergischen Universität Wuppertal über "Ungleiche Kindheiten - und die Frage nach ihrer Qualität". Die Professorin stellte verschiedene Modelle einer gelungenen Kindheit aus der Geschichte und aus anderen Ländern vor. Sie erklärte, dass ungleiche Kindheiten keine neue Erscheinung seien und dass sich die Vorstellung über eine gute Kindheit stetig gewandelt habe. Sie näherte sich so der Frage, wie viel wir gesichert über die Definition einer gelungenen Kindheit aussagen können. "Wir müssen uns von selbstverständlichen Vorstellungen lösen und die Anliegen der Kinder in Erfahrung bringen", so Bühler-Niederberger.

"Vom Kind her denken" ist auch eine zentrale Forderung der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!". Sie setzt auf eine Politik der Vorbeugung, die allen Kindern gleiche Chancen auf ein gutes Aufwachsen, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen soll - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und vom Geldbeutel ihrer Eltern. Es geht darum, die gesamte Entwicklung eines Kindes besser in den Blick zu nehmen und den Familien bestmöglich und frühzeitig helfen zu können. Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, aber auch Kitas, Schulen, Sportvereine, Jugend- oder Gesundheitsämter sollen dabei systematisch zusammenarbeiten.

Der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" ging eine Modellphase mit 18 Kommunen zwischen 2012 und 2016 erfolgreich voran. In diesem Jahr sind 22 Kommunen dazugekommen. Eines der zentralen Vorhaben der Landesregierung - die Politik der Vorbeugung - geht damit in die Fläche. Zusammen mit den 18 Kommunen aus dem 2012 gestarteten Modellvorhaben umfasst das Netzwerk jetzt 40 Kommunen. Dadurch werden 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen erreicht.

Die Lernnetzwerktreffen organisiert die beim Institut für soziale Arbeit e.V. angesiedelte Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen". Auch in diesem Jahr lädt sie wieder zu einer Frühjahrsakademie ein. Sie findet vom 11.05. - 12.05.2017 in Duisburg statt.