Login

Benutzeranmeldung

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
07.06.2017, Gelsenkirchen

Die Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung (FSA) feiert 2. Geburtstag

„Die FSA hat laufen gelernt und steht auf sicheren Beinen“ ist die Zwischenbilanz von Norbert Wörmann, Leiter der FSA, zur Eröffnung der zweiten Jahrestagung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Eine gute Nachricht, angesichts der vielfältigen Herausforderungen, die im Bereiche der Armutsbekämpfung warten.

Foto: FSA / Marc Jahnen.

"Bei der Integration Kante zeigen" sei nicht nur eine Herausforderung im letzten Jahr gewesen. Das Thema Integration wird auch weiterhin im Fokus stehen. Und nicht zuletzt dafür brauche es neue Methoden. Wörmann sieht Umsetzungs- und Erkenntnisdefizite auf kommunaler und Landesebene, die er gemeinsam mit den Partnern aus der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" in Angriff nehmen möchte.

Prävention geht nicht alleine

Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISS) setzte einen fachlichen Impuls für die anschließende Diskussion. In ihrem Vortrag zum Thema "Armut als individuelle Lebenslage - Was hat das mit dem Sozialraum zu tun?" stellte sie klar, dass Armut kein Persönlichkeitsmerkmal sei, das als gegeben hingenommen werden müsse. Holz machte deutlich: Je länger ein junger Mensch unter Armutsbedingungen aufwachse, desto größer werden die Risiken für ihn selbst und die Gesellschaft. Daher müssten die Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene stärker qualifiziert werden zum inklusiven und armutssensiblen Handeln. "Denn Prävention geht nicht alleine", so Holz.
Die Sozialwissenschaftlerin beleuchtete den Armutsbegriff von verschiedenen Seiten und stellte den Einzelnen in Bezug zu den sozialen Gegebenheiten. Der Sozialraum gebe (Versorgungs-)Strukturen vor, die bei der Bekämpfung von Armut von großer Bedeutung seien. Es müsse die Wohnsituation, das Quartier, und die unregelmäßig genutzten Räume betrachtet werden. Wie sind die Teilhabe- und Zugangschancen und wie werden diese in Anspruch genommen?

Gartenzäune einreißen

Mit diesen Fragen ging es in eine Podiumsdiskussionsrunde, die Lösungsansätze im Hinblick auf Armut im Sozialstaat suchte. Dr. Frank Johannes Hensel (Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln e.V.), Gabriele Schmidt (Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW), Dr. Antonio Brettschneider (Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung), Prof. Dr. Heike Köckler (Dekanin der Hochschule für Gesundheit, Bochum) und Gerda Holz stellten sich dem Gespräch und versuchten die Hürden der Präventionsarbeit und die Mittel, diese zu überwinden, zu identifizieren. Gabriele Schmidt sprach sich dafür aus, Ungleiches auch ungleich zu behandeln. Das bedeute, unterschiedliche Sozialräume auch unterschiedlich zu fördern. Heike Köckler stellte die Zusammenhänge der Wohn- und Lebenssituation, der Lärm-, Luft- und Verkehrsbelastung zu den gesundheitlichen Auswirkungen her und machte deutlich, dass soziale Ungleichheit und Gesundheit nicht getrennt voneinander betrachten werden könne. Und auch Antonio Brettschneider berichtete in der Forschung noch von "Gartenzäunen", die es einzureißen gälte. Nur mit einer Entsäulung in der Wissenschaft könne eine brauchbare Wissengrundlage für eine effektive Armutsbekämpfung geschaffen werden.